Ein Pilates-Studio eröffnen ist eine andere Rechnung als ein Yoga-Studio, und der Unterschied steht schon vor der ersten Stunde auf dem Konto: acht Reformer kosten zwischen 20.000 und 56.000 Euro, und sie deckeln deine Kapazität auf acht Plätze je Kurs, egal wie gut du bist.
Dafür liegt der Preis je Platz bei 25 bis 40 Euro statt bei 15 bis 20. Das Modell tauscht Menge gegen Preis. Ob es aufgeht, entscheidet sich an zwei Zahlen: wie viele Kurse du in der Woche voll bekommst, und wie teuer die Geräte dich im Monat kommen. Der Reihe nach.
Was kostet ein Pilates-Studio mit Reformern?
Zwei Blöcke: was einmal bezahlt werden muss, und was monatlich läuft.
| Posten | Einmalig | Monatlich |
|---|---|---|
| Reformer, acht Geräte | 20.000 bis 56.000 € | - |
| Cadillac, Chair, Barrel | 3.000 bis 15.000 € | - |
| Kleingeräte, Matten, Bälle, Bänder | 1.000 bis 2.500 € | - |
| Mietkaution, drei Monatsmieten | 4.500 bis 9.000 € | - |
| Umbau, Boden, Licht, Umkleide | 8.000 bis 30.000 € | - |
| Empfang, Website, Branding | 2.000 bis 6.000 € | - |
| Marketing vor der Eröffnung | 2.000 bis 5.000 € | - |
| Miete, 90 bis 130 m² | - | 1.300 bis 3.500 € |
| Nebenkosten | - | 250 bis 600 € |
| Versicherungen | - | 60 bis 140 € |
| Buchungssystem | - | 0 bis 100 € |
| Steuerberater | - | 100 bis 250 € |
| Marketing laufend | - | 250 bis 600 € |
Unterm Strich 40.000 bis 120.000 Euro einmalig, je nach Gerätewahl und Zustand des Raums, und 2.000 bis 5.200 Euro Fixkosten im Monat ohne Trainerhonorare. Zum Vergleich: der Deutsche Sportstudio Verband nennt für 2025 eine durchschnittliche Investition von rund 83.000 Euro netto je Fitness- und Gesundheitsanlage. Ein Pilates-Studio liegt also mitten in dieser Spanne, nicht darunter.
Dazu die Rücklage, die in keiner Tabelle steht: sechs Monate Fixkosten, also weitere 12.000 bis 31.000 Euro. Banken verlangen üblicherweise 20 bis 30 Prozent der Gesamtinvestition als Eigenkapital.
Wer das nicht aufbringt, fängt mit Matten an. Ein reines Mat-Studio kostet in derselben Fläche 15.000 bis 35.000 Euro, also etwa so viel wie ein Yoga-Studio, und lässt sich später um Geräte erweitern.
Wie viele Plätze braucht es, damit es sich trägt?
Das ist die Zahl, an der alles hängt, und sie fällt bei Reformern anders aus als bei Matten, weil die Gruppengröße nach oben zu ist.
Rechne mit 3.100 Euro Fixkosten im Monat, also der unteren Hälfte der Tabelle für ein Studio mittlerer Größe. Bei 30 Euro je Platz deckst du das mit 104 bezahlten Plätzen im Monat, also 26 in der Woche. Bei acht Plätzen je Kurs und einer Auslastung von 70 Prozent sitzen 5,6 Personen in der Stunde. Macht knapp fünf gut besuchte Kurse pro Woche, um die Fixkosten zu tragen.
Das klingt wenig, und das ist es auch. Die eigentliche Hürde liegt nicht im Betrieb, sondern davor: die Geräte sind bezahlt, bevor überhaupt jemand den Raum betritt.
Nach oben sieht die Rechnung so aus. Zwanzig Kurse pro Woche bei 70 Prozent Auslastung und 30 Euro sind rund 14.500 Euro Umsatz im Monat. Davon gehen 3.100 Euro Fixkosten ab, und wenn du die Hälfte der Kurse von Trainern geben lässt, bei 40 Euro Honorar je Stunde, weitere 1.700 Euro. Bleiben etwa 9.700 Euro vor Steuern.
Die Decke ist aber niedriger, als viele denken. Acht Plätze mal zwanzig Kurse sind 160 Plätze in der Woche, also höchstens rund 690 im Monat. Selbst bei voller Auslastung und 35 Euro liegt die Obergrenze bei etwa 24.000 Euro. Ein Yoga-Studio mit sechzehn Plätzen und fünfundzwanzig Kursen hat bei 18 Euro eine höhere Decke, bei kleinerer Marge je Stunde. Wer wachsen will, wächst beim Reformer über einen zweiten Raum, nicht über größere Gruppen.
Reformer kaufen, gebraucht nehmen oder leasen?
Bei acht Geräten entscheidet diese Frage über ein halbes Jahresergebnis.
2.500 bis 7.000 Euro je Gerät, Garantie, gleiche Optik, sofort lieferbar bei den großen Herstellern. Das Geld ist weg, bevor du weißt, ob die Nachfrage trägt.
Studios, die schließen oder umrüsten, geben Reformer für 40 bis 60 Prozent des Neupreises ab. Prüfen musst du Federn, Laufrollen, Gurte und den Rahmen; Verschleißteile sind einzeln nachkaufbar und kosten wenig im Vergleich zum Gerät.
80 bis 140 Euro im Monat je Gerät, je nach Laufzeit. Das schont das Startkapital und ist als Betriebsausgabe sofort abziehbar, kostet über vier bis fünf Jahre aber deutlich mehr als der Kauf.
Die ehrliche Reihenfolge für den Start: gebraucht kaufen, wo du die Geräte vorher anfassen kannst, und den Rest in den Raum stecken. Ein frisch renovierter Raum mit gebrauchten Geräten wirkt hochwertiger als das Gegenteil.
Nur Matte, nur Reformer oder beides?
Drei Modelle, mit unterschiedlichem Risiko.
Nur Matte. Investition wie bei einem Yoga-Studio, Gruppen bis sechzehn Personen, Preis 14 bis 20 Euro. Der einzige Weg, der ohne fünfstellige Vorabzahlung funktioniert, und der einzige, bei dem ein Präventionskurs ohne Geräteauflagen läuft.
Nur Reformer. Höchster Preis je Platz, klarste Positionierung, höchstes Kapitalrisiko. Funktioniert in Großstädten mit zahlungsbereitem Publikum, in kleineren Orten wird die Zielgruppe schnell zu schmal.
Beides. Der Reformer-Raum trägt den Umsatz, die Mattenkurse füllen Randzeiten und holen Einsteiger, die sich an ein Gerät noch nicht herantrauen. Das ist in der Praxis die stabilste Mischung, braucht aber entweder zwei Räume oder einen Stundenplan, in dem Geräte zur Seite gefahren werden.
Welcher Raum passt, und wie groß muss er sein?
Ein Reformer misst rund 2,40 mal 0,70 Meter. Dazu kommt Bewegungsfläche an beiden Seiten und am Kopfende, damit die Trainerin herumgehen und korrigieren kann. Rechne mit sechs bis acht Quadratmetern je Gerät inklusive Abstand. Acht Reformer brauchen also 50 bis 65 Quadratmeter reine Kursfläche, plus Umkleide, Toilette und Empfang. Unterm Strich 90 bis 130 Quadratmeter.
Drei Dinge prüfst du vor der Unterschrift, die bei einem Mattenstudio keine Rolle spielen:
Ein Reformer wiegt 40 bis 70 Kilo, ein Cadillac deutlich mehr. In Altbauten mit Holzbalkendecken lohnt ein Blick in die Statik, und der Transport in den dritten Stock ohne Aufzug ist ein eigenes Projekt.
Reformer mit Tower und ein Cadillac brauchen 2,50 Meter und mehr, weil über dem Gerät gearbeitet wird. Eine abgehängte Decke von 2,30 Metern schließt die Hälfte des Programms aus.
Federn und Laufwagen machen Geräusche, und zwar nach unten. Ein Reformer-Studio über einer Arztpraxis oder unter einer Wohnung führt verlässlich zu Streit. Frag den Vermieter vor dem Vertrag, was unter und über dir liegt.
Die Miete selbst liegt wie bei jedem Studio an der Lage: 25 bis 45 Euro je Quadratmeter in den Innenstädten von München, Hamburg und Berlin, 12 bis 18 Euro in Mittelstädten, 8 bis 14 Euro in kleineren Orten. Wenn du dir die Bindung noch nicht zutraust, ist ein stundenweise gemieteter Raum der Zwischenschritt, allerdings nur für Mattenkurse - Geräte lassen sich nicht wöchentlich auf- und abbauen.
Welche Ausbildung brauchst du?
Pilatestrainer ist in Deutschland kein geschützter Beruf. Unterrichten darfst du ohne Zertifikat, und Gewerbeamt wie Finanzamt fragen nicht danach.
Drei Stellen fragen sehr wohl danach. Die Berufshaftpflicht, die ohne nachgewiesene Ausbildung oft gar nicht erst zustande kommt. Die Teilnehmer, die bei 30 Euro je Stunde wissen wollen, bei wem sie liegen. Und die Krankenkassen, dazu gleich mehr.
Üblich sind Ausbildungen über 150 bis 500 Stunden, bei den großen Anbietern in Matwork und Gerätearbeit getrennt. Wer Reformer unterrichten will, braucht die Geräteausbildung zusätzlich; eine reine Mattenausbildung deckt das nicht ab und die Haftpflicht weiß das.
Zahlt die Krankenkasse Reformer-Kurse?
Teilweise, und die Bedingung überrascht die meisten. Pilates fällt nicht unter die Entspannungsverfahren wie Yoga, sondern in das Handlungsfeld Bewegungsgewohnheiten, Präventionsprinzip „Reduzierung von Bewegungsmangel durch gesundheitssportliche Aktivität". Dort ist Pilates ausdrücklich als Verfahren genannt, in das eine Einweisung vorzulegen ist.
Zur Qualifikation: verlangt werden rund 750 Stunden über sechs Kompetenzbereiche, darunter je 150 Stunden Trainings- und Bewegungswissenschaften, Medizin und Pädagogik. Mindestens 60 Prozent davon müssen aus einer staatlich anerkannten Berufsausbildung oder einem Studium stammen, höchstens 40 Prozent dürfen aus weiteren Qualifizierungen ergänzt werden. Eine rein private Ausbildung muss mindestens ein Jahr dauern und mit einer Prüfung enden. Die Ausnahme, die bei Yoga den Verzicht auf einen staatlich anerkannten Abschluss erlaubt, gilt für Pilates nicht.
Zu den Geräten: der Kriterienkatalog sagt wörtlich, dass der Einsatz von Geräten höchstens die Hälfte eines Kursprogramms ausmachen darf. Beim Einsatz von Großgeräten müssen außerdem Ausgleichsübungen in das Programm, mit dem Ziel, die Übungen in den Alltag zu übertragen, und jede dieser Ausgleichsübungen ist im Kurs auch durchzuführen. In die Stundenverlaufspläne gehören dazu eigene Informationsphasen.
Praktisch heißt das: ein Kurs, der acht Einheiten lang nur am Reformer läuft, ist nicht zertifizierbar. Ein Kurs, der höchstens zur Hälfte am Gerät stattfindet und den Rest auf der Matte mit Übertrag in den Alltag, kann es sein. Format in beiden Fällen: acht bis zwölf Einheiten von 45 bis 90 Minuten, feste Gruppe, kein Drop-in.
Das ist weniger Einschränkung als Chance. Ein zertifizierter Kurs kostet den Teilnehmer nach Erstattung spürbar weniger, ohne dass du am Preis drehst, und die Nachfrage nach solchen Kursen übersteigt das Angebot deutlich.
Welche Preise setzt du an?
Drei Modelle, parallel angeboten.
Einzelstunde. 25 bis 40 Euro am Reformer, 14 bis 20 Euro auf der Matte. Der Einstieg, und der Maßstab für alles andere.
Zehnerkarte. 15 bis 25 Prozent unter dem Einzelpreis, also etwa 250 bis 320 Euro für zehn Reformer-Stunden. Laufzeit vier bis sechs Monate, sonst wird sie zur Dauerschuld in deiner Buchhaltung.
Mitgliedschaft. Im Boutique-Segment liegt der durchschnittliche Monatsbeitrag bei rund 80 Euro. Üblich sind gestaffelte Modelle, etwa vier Stunden im Monat für 79 bis 99 Euro und unbegrenzt für 129 bis 169 Euro. Die Mitgliedschaft ist der Grund, warum Reformer-Studios stabiler laufen als Mattenstudios: der Platz ist knapp, und Knappheit bindet.
Ein Fehler, der am Anfang viel kostet: einen Einführungspreis anzusetzen, der nie wieder steigt. Starte fünf bis zehn Prozent unter dem Marktpreis und erhöhe jährlich. Wie du den Preis von den Kosten her aufbaust, statt zu raten, steht unter Stundenpreis kalkulieren.
Was kostet dich ein leerer Platz?
Hier liegt der größte Unterschied zum Mattenstudio, und er wird regelmäßig unterschätzt. Bei acht Plätzen ist ein Ausfall ein Achtel des Umsatzes dieser Stunde, bei sechzehn Plätzen nur ein Sechzehntel. Zwei kurzfristige Absagen in einer Reformer-Stunde kosten dich 60 bis 80 Euro, die niemand nachholt.
Drei Regeln, die das abfangen:
Zwölf oder vierundzwanzig Stunden vorher, danach verfällt die Einheit. Das ist im Boutique-Segment üblich und wird akzeptiert, wenn es von Anfang an klar kommuniziert ist.
Eine Absage um sieben Uhr abends hilft dir nur, wenn jemand anders sie sofort erfährt. Von Hand nachtelefonieren passiert genau zweimal, dann nie wieder.
Wer die ganze Reihe bucht, erscheint zuverlässiger als wer einzeln bucht. Für Präventionskurse ist es ohnehin Pflicht.
Franchise oder eigenes Studio?
Ein Franchise nimmt dir Konzept, Marke und Einkauf ab und kostet dafür Eigenkapital und laufend einen Teil des Umsatzes. Zur Einordnung: Club Pilates verlangt ab 50.000 Euro Eigenkapital und eine fünfstellige Eintrittsgebühr, bei Pilates Place liegt der Einstieg bei 10.000 bis 20.000 Euro Eigenkapital, 6.500 Euro Eintrittsgebühr und 10 Prozent Lizenzgebühr auf den Umsatz.
Die Rechnung dahinter ist einfach: zehn Prozent vom Umsatz sind bei 14.500 Euro im Monat 1.450 Euro, also etwa die halbe Miete. Dafür bekommst du eine eingeführte Marke und musst das Konzept nicht selbst entwickeln. Ob sich das trägt, hängt daran, wie bekannt die Marke an deinem Ort wirklich ist - in einer Stadt, in der niemand sie kennt, zahlst du für nichts.



